Ruhr Nachrichten

Montag, 9. Oktober 2017

Ruhr Nachrichten

Ohne sie kann man kein sinfonisches Werk aufführen. Dennoch sind die Kontrabassisten die Hinterbänkler im Orchester. Die Mozart Gesellschaft hat das Streicher-Stiefkind nach vorn an die Rampe geholt. Und von Stipendiat Alexander Edelmann hörten einige Besucher am Sonntagvormittag in der ersten von sechs Mozart-Matineen der Saison im Konzerthaus zum allerersten Mal ein Konzert für Kontrabass und Orchester.

Johanna Baptist Vanhal, ein Zeitgenosse von Haydn und Mozart, hat das Konzert komponiert und von dem Solisten virtuose Griffbrettartistik gefordert. Und ja, es geht: Man kann auf einem Kontrabass schnell spielen. Besser als laut, denn der „Brummbär des Orchesters“ klang auch bei dem 27-jährigen Edelmann sanft und leise. Aber die Cappella Istropolitana aus Bratislava begleitete einfühlsam und behutsam.

Läufe über das 1,10 Meter lange Griffbrett gelangen Edelmann ebenso wie die Flageoletts, die Obertöne in den Hohen Lagen, in denen der Kontrabass Cello-Höhe erreicht, blitzsauber und technisch souverän. Und musikalisches Temperament hat der Düsseldorfer Student auch. Die zweite Entdeckung beschloss die Matinee: eine Sinfonie von Joseph Martin Kraus, dem „Odenwälder Mozart“. Vital gespielt haben die Slowenen das Werk, aber den Hang zum Kleinmeistertum kann man ihm angesichts der Stimmführung der oft parallel geführten Streicher nicht absprechen. Zwei Freiluft-Musikern von Mozart, ein Divertimento und eine Kassation, leiteten die Programmteile ein. Mit frischem, vollen Ton spielten die 20 Musiker unter der Leitung des Konzertmeisters. Als Zugabe machte das Orchester den ersten Satz aus Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ zu Mittagsmusik. *Julia Gass


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