RUHR NACHRICHTEN

Montag, 13. November 2017

RUHR NACHRICHTEN

Junge Hornistin glänzte viel mehr als das Orchester
Die Mozart Gesellschaft hat eine tolle Horn-Stipendiatin.

Sie glänzte mit Strauss
100 Jahre alt wird das Nationale Sinfonieorchester der Ukraine im kommenden Jahr. Bei der zweiten Mozart Matinee der Mozart Gesellschaft gab es am Sonntag sein Debüt im Konzerthaus Dortmund und zeigte zwei Dinge: Romantisches Repertoire liegt den Musikern aus der Ukraine offenbar mehr als Musik von Mozart. Und hinter den meisten Orchestern aus Osteuropa müssen sich hiesige Stadttheater-Ensembles nicht verstecken.
Mit nur 44 Musikern, aber sehr kraftvoll, spielte das Orchester unter der Leitung von Wolodymyr Sirenko Mozarts Jupiter-Sinfonie. Etwas dumpf und basslastig klang das eigentlich sonnige C-Dur-Werk. Das mag auch an den dominanten Kesselpauken gelegen haben, die so laut gespielt waren wie am Schluss in Dvoráks sehr viel größer besetzten siebten Sinfonie. Mit Rachmaninow im Herzen dirigierte der 57-jährige Ukrainer beide Sinfonien. Zu dem 
Dvorák-Werk passte das besser als zu der empfindlichen Mozart-Sinfonie, die mehr Eleganz und Noblesse im Klang hätte vertragen können. Und den langsamen Sätzen mangelte es in beiden Werken mit Spannung und an der Balance zwischen den Stimmen. Dass „die internationale Presse“ (wer auch immer das ist) Sirenko mit Esa-Pekka Salonen und Sir Simon Rattle vergleiche, wie der Dirigent in seiner Vita im Programmheft schreibt, sollten Salonen und Rattle wohl besser nicht erfahren.
Der kraftvolle Zugriff des Orchesters kam der Solistin entgegen. Die erst 20 Jahre junge Portugiesin Cristiana Neves Custódio ist als Stipendiatin der Mozart-Gesellschaft eine ausgezeichnete Wahl und eine tolle Hornistin. Mit makellosem Ansatz, viel Kraft und großem Tom blies sie das Hornkonzert von Richard Strauss. Und Empfindsames, wie das Andante in diesem Jugendwerk, sang die junge Musikerin auf ihrem Instrument wunderschön aus. Eine glänzende Technik hat die Portugiesin auch: Das Jagd-Finale klang so effektvoll wie auf einem Naturhorn geblasen. Cristiana Custódio hätte man gern länger als nur eine Viertelstunde zugehört. Anstelle einer der Sinfonien. *Julia Gaß


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