Ruhr Nachrichten

Mo 13. Februar 2017, 14.27 Uhr
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Beethoven mit geballter Faust

Mozart-Matinee mit Stipendiat Stephen Waarts im Konzerthaus
Die Musik von Beethoven erlebt zurzeit eine Renaissance – und füllt auch in diesem Monat mehrfach den Saal des Konzerthauses. Gestern standen die siebte Sinfonie und die „Coriolan“-Ouvertüre auf dem Programm der vorletzten Matinee der Mozart Gesellschaft in dieser Saison.

Bremen und Beethoven ist eine feurige Liebe, seit die Kammerphilharmonie Bremen und Paavo Järvi wie ein Blitz durch die Sinfonien des Bonner Komponisten geflogen sind. Die Bremer Philharmoniker haben sich das offenbar zum Vorbild genommen und zeigten unter der Leitung ihres in wenigen Wochen in Richtung Linz scheidenden Generalmusikdirektors Markus Poschner eindrucksvoll, wie kernig, rasant und kraftvoll Beethoven klingen kann.

Mit geballter Faust peitschte Poschner seine 53 Musiker durch die „Coriolan“-Ouvertüre, zeichnete ein energisches Bild des gekränkten, zunächst rachsüchtigen römischen Feldherren. Und schon in diesem Zehn-Minuten-Werk hörte man, dass Poschner viel mehr aus der tollen Akustik des Konzerthauses herausholen wollte.

In der Sinfonie am Schluss lotete er dann vor allem im zweiten Satz dynamische Extreme ganz stark aus. Elastisch und federnd klang diese „Apotheose des Tanzes“, in der das sehr gut aufgelegte Orchester auch für reichlich Knalleffekten in den sehr gut besetzten Bläserstimmen sorgte. Das war flott, das hatte Biss und war mitreißend. Ein ausgesprochenes Mozartorchester sind die Philharmoniker aus der Hansestadt nicht; da klang vieles etwas sehr burschikos. Im vierten Violinkonzert des Salzburger Komponisten glänzte dann eher der neue Stipendiat der Mozart Gesellschaft Dortmund, der erst 20 Jahre alte Stephen Waarts. 

Einen schwungvollen, energischen Strich und eine sehr weit entwickelte Technik hat der dänisch-amerikanische Geiger. Und wenn er – wie im zweiten Satz – mit Silberton die Musik zum Singen bringt, klingt das elegant und kultiviert. Seine sensible Gestaltung in diesem Andante cantabile passte zur Zugabe, dem „Schattentanz“ aus der zweiten Solosonate von Eugène Ysaye. JG


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