Alexej Gorlatch – Ein Jungstar mit grosser Zukunft

29. April 2013  —  Ruhr Nachrichten

Letzte Mozart-Matinee im Konzerthaus

Den besten ihrer vier Stipendiaten in diesem Jahr hatte die Mozart Gesellschaft für die letzte Matinee der Saison aufgehoben, und präsentierte ihm mit einem der führenden Kammerorchester Europas, der Camerata Salzburg. Der 25 Jahre junge Pianist Alexej Gorlatch aus der Ukraine hat seit seinem spektakulären Gewinn des ARD-Wettbewerbs 2011 eine rasante Karriere gemacht und brilliert auch als Chopin-Virtuose. Bevor er gestern im Konzerthaus, in der Zugabe der 4. Etüde von Chopin, Kraft und Technik demonstrierte, präsentierte sich der Stipendiat als sensibler Mozart-Interpret im „Jenamy-Konzert“, besser bekannt als „Jeunehomme“.

Jugendlichen Überschwang und eine mitreißende Spielfreude hauchte Gorlatch dem ersten Satz ein. Und der klang genauso brillant wie seine technisch souveränen Chopin-Interpretationen. Im langsamen Satz hörte das Publikum dann die ganz andere Seite des Klaviertalents: den behutsamen, sehr gefühlvollen und sensiblen Pianisten, der mit viel Seele und großer Reife spielt.

Konzertmeister Gregory Ahss leitete die nur 25 Musiker starke Camerata Salzburg vom ersten Pult aus. Kontrastreich klang das in der frühen F-Dur-Sinfonie, einem Werk des elfjährigen Mozart mit einem knackig und frisch gespielten ersten Satz und einem sehr vorsichtig ertasteten Andante.

Neue Musik ist selten in den Programmen der Mozart Gesellschaft. Mit der „Fantasia Concertante“ über ein Thema von Corelli, die der Brite Michael Tippett vor 60 Jahren zum 300. Geburtstag von Corelli komponiert hat, wagte der Verband den Schritt in die Moderne. In Concerto-grosso-Manier, mit zwei Geigen und Cello als Solisten, ist das Werk komponiert. Aber Tempounterschiede nivellierte das Orchester, das in reiner Streicherbesetzung musizierte, viel zu sehr. So zog sich das Werk in die Länge, und es wäre angesichts der großen Überlänge der Matinee auch entbehrlich gewesen.Haydns ebenfalls frühe Sinfonie Nr. 7, „Der Mittag“, war ein spritziges Saison-Finale: frisch und temperamentvoll in den Ecksätzen musiziert, lediglich das Adagio klang ein wenig mittagsmüde.

Am 22. September geht es nach der Sommerpause weiter mit den Mozart-Matineen, vorher gibt es am 9. Juni noch eine Konzertfahrt zum Orgelstipendiaten nach Münster. *Julia Gaß (Quelle: Ruhr Nachrichten, 28. Januar 2013)


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