Pianist ist verliebt in den schönen Klang

22. August 2014  —  Ruhr Nachrichten

Mozart Matinee mit von Eckardtstein

Besucher der Mozart Gesellschaft, die am Freitagabend auch im Klavierabend von Fazil Say im Konzerthaus waren, erlebten gestern in der Matinee von Severin von Eckardstein im Konzerthaus das komplette Gegenteil: einen ruhigen, fast introvertierten jungen Pianisten, der in Alfred Brendels Fußstapfen tritt und völlig unaufgeregt und geistreich spielt.

Das sehr vielseitige Programm eröffnete der 38-Jährige natürlich mit Mozart. Mit Samtfingern, behutsam, aber mit perlendem, schönen Mozartton spielte der Düsseldorfer die Variationen über „Salve tu, Domino“, und sensibel tauchte er dann in die düsteren Stimmungen der c-Moll- Fantasie ein. Mit Schuberts zweiter Sonate, einem Fragment, knüpfte er mit sanglichem Ton an die Mozart Werke an.

Vor 14 Jahren war Severin von Eckardstein Stipendiat der Mozart Gesellschaft. Seitdem ist er viel reifer geworden, ein Pianist, der verliebt ist in den schönen Ton, aber auch ein glänzender Virtuose ist. Das hörte man am Schluss in den acht Fantasien aus „Kreisleriana“ von Schumann, in den zwei Etüden von Skrjabin als Zugabe und auch in der kleinen Spezialität vor der Pause: einem Valse –Caprice von Liszt.

Einen ausgeprägten Sinn für Klangfarben und ihre Schattierungen hat der Pianist mit dem schönen Ton. Manchmal verliert er sich in der Schönspielerei. Da fehlte es der „Kreisleriana“ manchmal noch an Spannung.

Als besonders vielseitiger Pianist wollte sich von Eckardstein in dieser Matinee vorstellen. Und so eröffnete er den zweiten Teil mit dem 15-minütigen, oft schroffen Gesang einer Blau-Amsel aus dem „Catalogue d’oiseaux“ von Messiaen. Da hätte es ein Fünf-Minuten-Stück von Messiaen auch getan.


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