Junge Aurelia spielte gegen die Nervosität an

17. November 2014  —  Ruhr Nachrichten

Matinee der Mozart Gesellschaft

Wenn man mit 17 schon so gut Klavier spielt wie Aurelia Shimkus ist eine schöne Karriere fast vorprogrammiert. – Wäre die junge Lettin nur nicht so nervös. Damit tat sie einem gestern in der letzten Matinee der Mozart Gesellschaft im Konzerthaus fast Leid.

Eigentlich ist Aurelia Shimkus, die jüngste Stipendiatin der Mozart Gesellschaft in dieser Saison, eine selbstbewusst sichere Pianistin. Mit einem guten Auge und Ohr für das Orchester, das English Chamber Orchestra, spielte sie Mozarts B-Dur Klavierkonzert KV 456. Der zarte Ton der jungen Pianistin könnte noch etwas kraftvoller werden, eine glänzende Technik hat sie bereits. Und viel Ausdruck und Fantasie – auch als Komponistin.

Sommertag wie 1940

Die Kadenzen im ersten und dritten Satz hat sie selber geschrieben. Sogar einen Titel hatten die: „Ein Sommertag wie 1940“. Das hörte man allerdings nicht. Mit einem eigenen Werk bedankte sich die Lettin als Zugabe. Das klang moderner, aber sehr farbig. Mit Klängen aus dem 20. Jahrhundert haben die 18 Streicher des Orchesters das Konzert auch eröffnet. Bartók hat in seinem Divertimento an die Tradition der Klassik angeknüpft. Vor allem in den spritzig herausgespielten Ecksätzen lugte Mozart um die Ecke.

Völlig aus dem Rahmen der beiden vergnüglichen Sätze fällt der langsame Mittelsatz: ein Trauermarsch. Wenn man aber weiß, dass Bartók ihn wenige Tage vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs komponierte und ein Jahr bevor er von seiner Heimat Ungarn in die USA emigrierte, wirkt das schlüssig und berührend.

Viel Gefühl legte das Kammerorchester in den Satz und preschte umso energiegeladener, kerniger und flotter durch Mozarts große g-Moll Sinfonie. Konzertmeistern Stephanie Gonley hielt das Ensemble gut zusammen.


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