Höllisches Spiel der Virtuosen im „Haus des Teufels“

28. Oktober 2015  —  Ruhr Nachrichten

Ihrem Namen machen die Moskauer Virtuosen alle Ehre: Rasant spielte das 1979 gegründete Kammerorchester gestern in der zweiten Matinee der Mozart-Gesellschaft im Konzerthaus ein sehr schönes Programm mit Werken eines italienischen, russischen und österreichischen Mozart.

Luigi Boccherini war der italienische Mozart. Zumindest der erste Satz seiner Sinfonie „Das Haus des Teufels“ hätte aus der Feder des Salzburger Komponisten stammen können. Teuflisch schnell führte Vladimir Spivakov, Gründer und Leiter des Orchesters, das Ensemble. Präzise wie ein Uhrwerk musizierten die 26 Streicher, vor allem am Schluss in Don Juans Höllenfahrt.

Für den jungen, sehr nervös wirkenden Solisten Aaron Pilsan war das souveräne Orchester ein Geschenk. Auch Mozarts „Jeunehomme“ Konzert ist in den Ecksätzen ein Bravourwerk, komponiert für eine französische Virtuosin und von dem 20jährigen Österreicher anfangs zaghaft und zurückhaltend, im Finale dann aber immer brillanter gespielt.

Viel Gefühl hat Pilsan, sehr musikalisch spielte er den zweiten Satz; die ganz tiefe musikalische Reife hat er altersbedingt noch nicht, aber er spielte mit gutem Kontakt zu dem Orchester – für einen 20-jährigen Stipendiaten war dieses Konzert eine große Leistung.

Mit Muttermilch, der Streicherserenade von Tschaikowsky, verabschiedeten sich die Moskauer Virtuosen. Elegant wie eine Ballettmusik spielte das Orchester den Walzer und mit viel Emphase und russischer Seele die anderen drei Sätze.

Drei Zugaben von Mozart, Schostakowitsch und Gluck. Großer Jubel. JG


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