Ruhr Nachrichten

16. September 2016

Gilad ließ die Pferde ruhig galoppieren
Saisoneröffnung Mozart Gesellschaft

Ein wenig erinnert Pianist Jonathan Gilad an den jungen Daniel Barenboim. Und für den 39 Jahre älteren Pianisten ist Gilad auch schon einmal in Berlin eingesprungen. Das war 1998, ein Jahr nachdem der französisch-israelische Pianist Stipendiat der Mozart Gesellschaft Dortmund wurde. 1996 hatte Gilad auf Barenboims Empfehlung bereits sein USA-Debüt gegeben. Gestern eröffnete er im Konzerthaus die Saison der Mozart Gesellschaft, mit der traditionellen Klavier-Matinee des Vereins. Inzwischen ist Gilad 35 Jahre alt, ein reifer Pianist, der mit seinem tiefgründigen, introvertierten, lyrischen Spiel den Teilnehmern des Schubert-Wettbewerbs, die in dieser Woche um die Preise spielen, Konkurrenz machen könnte. Gilad hat seine Preise mit Mozart gewonnen – verständlich, nachdem man in der Sonate KV 332 wieder hören konnte, wie sorgfältig Gilad Melodien ausformt. Leider hüllte er den langsamen Satz in zu viel rechtes Pedal; seinen sonst so schönen, kristallklaren Mozartton störte das ein wenig. Mozart hat mit dieser Sonate, eine der ersten aus der Wiener Zeit, die Sonatenform mit neuem Leben erfüllt, 25 Jahre später hat Beethoven diese Gattung revolutioniert. Gilad spielte Beethovens „Sturm“-Sonate. Allerdings war der Sturm mehr Windhauch als Orkan. Die „galoppierenden Pferde“, die Beethovens Schüler Carl Czerny da gehört haben will. Ließ Gilad gezügelt an einer kurzen Leine laufen. Romantisch und Elegant legte der Franzose auch die beiden ersten Sätze an, ließ Töne wie ei Aquarellmaler ineinanderfließen. Und auch in seinem Chopin-Spiel legte er mehr Wert auf das Herausstellen von Lyrismen als von glitzernder Brillanz. Technisch ausgereift ist dieser Pianist, hat Kraft und eine perfekte Geläufigkeit. In vier Impromptus von Chopin zeigte er auch, wie viel Gehalt und Tiefe in dieser oberflächlich so funkelnden, glitzernden Musik steckt. Es war ein Vormittag der langsamen Sätze, aber auch der inneren Energie, die Gilad in Chopins Revolutionsetüde als Zugabe eindrucksvoll unter Beweis stellt. Die erste Orchester Matinee der Mozart Gesellschaft folgt am 30. Oktober.


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