Ruhr Nachrichten

31. Oktober 2016

Cello-Ereignis mit einem Riesentalent
Mozart-Matinee
Von dieser Cellistin wird man noch viel hören: Die 22-jährige Russin Anastasia Kobekina ist Stipendiatin der Mozart Gesellschaft, schon mehrfach ausgezeichnet und ein Riesentalent. Es würde nicht verwundern, wenn sie bald auch den Tschaikowsky-Wettbewerb gewänne. In der zweiten Mozart-Matinee spielte sie gestern im Konzerthaus die Rokoko-Variationen von Tschaikowsky, ein Paradewerk ihres Landsmanns Rostropowitsch. Und mit wie viel Ausdruck sie das füllte, wie innig sie das Cello singen ließ und was für eine tolle Technik die Russin hat, war beeindruckend. Bach spielen kann Kobekina auch: Die Bourrée aus der dritten Cellosuite gab’s als Zugabe. Das Sinfonieorchester des Nationaltheaters Prag, mit 28 Jahren noch ein sehr junges Orchester, passte sich unter der Leitung des Tschechen Jakub Klecker dem Tempo der Solistin gut an. Mozarts „Prager Sinfonie“ hätte zu diesem Orchester perfekt gepasst, aber es hatte die frühe 28. Sinfonie des 18-jährigen Mozart ausgesucht. Mit nur 20 Streicher war die kammermusikalisch ausgeleuchtet; im Finale hörte man schon das Gewisper der Monostatos-Arie aus der „Zauberflöte“ heraus. Der Nationalstolz dieser Matinee erklang außer im zehnten Slawischen Tanz von Dvorák als Zugabe in Form der Sinfonie op. 24 von Jan Václav Vorisek, einem tschechischen Beethoven. Mozart und Beethoven haben eleganter komponiert, aber eine Entdeckung war das Werk. JG


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