Der Opernfreund/Der Neue Merkur

23. Januar 2017

Mozart - zwei, eins, drei – Klaviere mit Orchester 
In ihren Matineen bietet die Mozart Gesellschaft von ihr geförderten Stipendiaten Gelegenheit, ihr Können mit professionellen Orchestern vor einem grösseren Publikum zu beweisen. Gleichzeitig ist es in diesem Rahmen möglich, aus Mozarts riesigem Werk Stücke aufzuführen, die nicht dem gängigen Repertoire angehören. Beides zeigte exemplarisch die Matinee am vergangenen Sonntagmorgen. 
Als hochrangiges Orchester trat auf das Deutsche Kammerorchester Berlin von der ersten Geige her geleitet von Gabriel Adorjan – alle im Stehen spielend, natürlich mit Ausnahme der Celli. Begonnen wurde mit dem anspruchsvollsten Werk des Morgens, dem Konzert für zwei Klaviere und Orchester in Es-Dur KV 365 – verständlich, wenn man bedenkt, dass Mozart es für sich und seine Schwester Nannerl komponiert hatte. Es wurde gespielt von zwei jungen Stipendiatinnen. Wie Severin von Eckardstein, der vor kurzem in einer Mozart Matinee auftrat, studierte auch Magdalena Müllerperth zuletzt bei Professor Klaus Hellwig an der Universität der Künste Berlin. Auch Annika Treutler wurde zeitweise von ihm musikalisch betreut. Die beiden schafften es erfolgreich, sich sowohl dem Spiel des fürsorglich begleitenden Orchester einzuordnen als auch sich gegenseitig abzustimmen. Das zeigte gleich der energische von beiden gespielte Triller, mit dem nach der Orchestereinleitung die Solopartien des ersten Satzes begannen. Wenn sie sich auch häufig vor allem in der Durchführung im Spiel abwechselten oder gegenseitig begleiteten, gab es doch immer virtuose Läufe für beide gleichzeitig, die ihnen exakt unisono gelangen. Dies galt auch für punktierte Akkorde, etwa im langsamen Satz. Dort umspielten sie einfühlsam mit girlandenartig-arpeggierten Akkorden die Melodien der Holzbläser, vor allem der Oboe. Höhepunkte waren die Kadenzen, besonders im dritten Satz, wo sie Virtuosität im Zusammenspiel beweisen konnten, oder auch zum Schluß, wo die „normalen“ Achtel der Melodie von Triolen-Achteln begleitet wurden. 
Das folgende Konzert für ein Klavier und Orchester in A-Dur KV 414 wurde mit Matthias Kirschnereit zwar auch von einem früheren Stipendiaten der Mozart-Gesellschaft gespielt, aber einem, der inzwischen weltweit Karriere gemacht hat (Stipendiat 1987). Da er Mozarts Klavierkonzerte auch auf CD veröffentlicht hat, erklangen jeder Ton, jeder Triller und jeder perlende Lauf brillant und kontrolliert dynamisch abgestimmt. In der Exposition des ersten Satzes spielte er vor Beginn seiner Solo-Partie einige Orchesterakkorde mit und schien auch manchmal mitdirigieren zu wollen. Im langsamen Satz, der dadurch bekannt ist, dass er mit einem Motiv von Johann Christian Bach beginnt, spielte er äusserst kantabel, besonders im p. Das Thema aus dem ersten Satz, das auch das abschliessende Rondo beherrscht, vergisst man ohnehin nicht, wenn man es einmal gehört hat. Dies nahm er pointiert, spielte virtuos die Kadenz und sorgte für Überraschung, als er kurz vor Schluss die ersten Takte des „Alla Turca“ aus Mozarts Klaviersonate KV 331 einfügte. 
Abschliessend spielten alle drei Pianisten mit dem Orchester Mozarts Konzert für drei Klaviere und Orchester in F-Dur KV 242. Hier übernahm Matthias Kirschnereit bescheiden das dritte Klavier, dessen Partie Mozart technisch einfacher gestaltet hat. Ältere Konzertbesucher – dazu zählte die Mehrzahl – erinnerten sich wohl, dass es deshalb in den 80-er Jahren Kanzler Schmidt (dafür grosse Hochachtung!) zusammen mit Christoph Eschenbach, Justus Frantz und dem London Symphony Orchestra einspielen konnte. Auch in den beiden anderen Solo-Partien waren die Anforderungen nicht so groß wie im Konzert für zwei Klaviere. Da Magdalena Müllerperth am ersten und Annika Treutler am zweiten Klavier jetzt auch sichtlich und hörbar gelöster wirkten, erfreute man sich am munteren abwechselnden Spiel im ersten Satz, dem etwas lyrischeren zweiten und dem tänzerischen Menuett - Tempo im dritten Satz. 
Während üblicherweise ein Orchesterstück gespielt wird, trat hier das Deutsche Kammerorchester Berlin (nur?) als Begleitung der Solisten auf. Da alle Werke für Mozarts Zeit groß besetzt waren, bewunderte man neben den Streichern auch das Spiel der Hörner und Holzbläser. Das Publikum im ausverkauften Konzerthaus spendete herzlich und lange Beifall für die Mitwirkenden aber auch wohl dafür, dass ihr Namenspatron kaum besser gefeiert werden konnte als mit einem solchen Programm. 
Die drei Pianisten spielten als Zugabe tatsächlich ein Stück für sechs Hände an einem Klavier, die Romance von Sergei Rachmaninoff. 
Schon am Montag begleitet das Orchester die beiden Damen mit Mozart im Kieler Schloss, Magdalena Müllerperth spielt das jetzt von M. Kirschnereit gespielte A-Dur Konzert, Annika Treutler das sog. „Jeunehomme“-Konzert.
*Sigi Brockmann


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