Ruhr Nachrichten Presse Mozart Matinee 7. Oktober

Dienstag, 8. Oktober 2019

Ruhr Nachrichten Presse Mozart Matinee 7. Oktober

Ein Künstlerleben wie im Rausch
Die Mozart Gesellschaft hat ihre Saison im Konzerthaus ungewöhnlich eröffnet


Dass die „Symphony fantastique“ von Berlioz auf dem Programm einer Matinee steht, ist ungewöhnlich. Weil da Werke des Salzburger Komponisten und Wiener Klassik im Mittelpunkt stehen. Aber das 55-minütige Werk, das den zweiten Teil ausfüllte, kam an bei der Saisoneröffnung des Verbandes im Konzerthaus – auch, wenn nach der Pause einige Plätze frei blieben. Marko Letonja dirigierte seine Bremer Philharmoniker auswendig und stachelte seine Musiker emotional ungeheuer an. Viel Atmosphäre gab das Orchester der ersten Episode aus dem „Künstlerleben“. Der Ball wirkte etwas burschikos – Bremen ist halt keine Walzerstadt. Dafür war die Szene auf dem Lande behutsam und gefühlvoll ausmusiziert, und der Hexensabatt wirkte danach wirklich, wie im Rausch musiziert.
Das Gefühlvolle hatte das Orchester mit dem Klarinettensolisten, dem 25 Jahre jungen Stipendiaten Sérgio Fernandes Pires, gemeinsam. Der blies den wohl berühmtesten und schönsten langsamen Satz, den Mozart komponiert hat, den im Klarinettenkonzert, mit ganz langem Atem, wunderschön und ausdrucksstark. Wahrscheinlich kann nur ein Portugiese diese Musik so melancholisch und elegisch spielen, dass sie fast wie Fado (als Zugabe) klingt. Mit einem weiteren Mozart-Spätwerk aus den Todesjahr, der Ouvertüre zur „Zauberflöte“ hatten die Bremer die Matinee eröffnet – flott und spritzig gespielt. *Julia Gaß


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