Ruhr Nachrichten Presserezension

Dienstag, 9. November 2021

Ruhr Nachrichten Presserezension

Junger Mozart-Stipendiat zeigte viel Bravour auf dem Fagott

Ein Ensemble, das „Amadeus Kammerorchester“ heißt, muss ja gut Mozart spielen können. Bei der dritten Matinee der Mozart Gesellschaft bestätigte dies das Amadeus Kammorchester des Polnischen Rundfunks am Sonntagvormittag im Konzerthaus. Am Pult stand die Gründerin des Orchesters, Anna Duczmal-Mróz – kaum zu glauben, dass diese agile Dirigentin das Ensemble schon 1968 gegründet hat. Zupackend ließ sie die 22 Streicher schon in Mozarts Divertimento KV 138 spielen. Und im dynamischen Ausbalancieren ist Duczmal-Mróz eine Meisterin. Auch Haydns Abschiedssinfonie lebte vom knackigen Klang in den schnellen Sätzen, der wie von Barockmusik inspiriert klang, und vom sensiblen Ausmusizieren im Adagio. Allerdings wäre es wirkungsvoller gewesen, im zweiten Teil die beiden Werke zu tauschen und das Konzert mit der „Abschiedssinfonie“ zu beenden, bei der die Musiker nach und nach die Bühne verlassen. Stattdessen stand die Streicherfassung von Beethovens „Mondscheinsonate“ am Schluss. Jakub Kowalewski hat das Klavierwerk bearbeitet – das klang etwas dick; das Silbrige im Klang ging in der Fassung verloren.
Stipendiat der Matinee war ein Fagott, der 19-jährige Stuttgarter Tobias Reikow. Er spielte das Fagottkonzert von Hummel, nicht das populärste Werk der Gattung, aber eines, in dem der Solist seine brillante Technik zeigen konnte. Dass er auch einen sanglichen Ton hat, zeigte Reikow im langsamen Satz und in der Zugabe, der „Hebräischen Studie“ von Arthur Cohn, die das für die Fagottisten ist, was „Synrix“ für die Flötisten ist. *JG


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