Ruhr Nachrichten Eröffnungsmatinee

08. Oktober 2018

Bravour auf der Trompete

Die Mozart Gesellschaft hat ihre Saison rasant und kraftvoll eröffnet. Im Konzerthaus erklangen Werke von Wunderkindern.

Um mindestens ein „Wunderkind“ geht es in den Matineen der Mozart Gesellschaft immer: um den Namensgeber des Vereins. Zum Saisonauftakt standen am Sonntag Werke von drei jungen Talenten auf dem Programm, und auch der Solist, Stipendiat Zhassulan Abdykalykov, ist ein Musiker, der mit erst 25 Jahren Erstaunliches leistet. Das Instrument des Kasachen ist die Trompete. Für sie gibt es zwei populäre Solokonzerte: das von Haydn und das von dessen Nachfolger am Esterhazyschen Hof, Johann Nepomuk Hummel. Abdykalykov blies Letzteres. Einen kraftvollen, strahlenden Ton hat der 25-Jährige – und einen makellosen Ansatz. Brillant klang sein Spiel besonders im Rondo-Finale, das Abdykalykov mit einer perfekten Lippenspannung blies. Nun sind Trompetenkonzerte nicht für große romantische Gefühlsklänge berühmt, aber aus dem langsamen Satz holte der Stipendiat viel Sanglichkeit heraus. Die Heidelberger Sinfoniker unter der Leitung von Johannes Klumpp liebten langsame Sätze weniger. Im doppelten Tempo ließ Klumpp den zweiten Satz aus Mozarts Haffner-Sinfonie vorbeiliegen. „Andante“ hat Mozart in die Partitur geschrieben; bei den temperamentvollen Heidelbergern war es ein Allegretto. Der ersten Sinfonie von Mendelssohn, die dieser mit 15 Jahren noch in der Tradition seiner zwölf Streichersinfonien geschrieben hat, taten das flotte Tempo und aufbrausende Spiel des Orchesters gut. Aber Klumpp arbeitete auch die leisen, empfindsamen Passagen des Jugendwerks heraus. Mozarts Figaro-Ouvertüre war die Zugabe. Keine gute Idee war es, im Konzert den Dirigenten in die Werke einführen zu lassen, weil das Publikum wegen des Mikrofonhalls kein Wort verstand. Nach der Pause verzichtete die Mozart Gesellschaft deshalb darauf. *J. Gass


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