Wiener Soiree war ein Glanzstück der Mozart Matinee

29. Oktober 2012  —  Ruhr Nachrichten

Mit Stipendiatin Janka Simowitsch

Von Alfred Grünfeld hatte das Publikum der Mozart Gesellschaft noch nie etwas gehört. Seine „Soiree de Vienne“, die in der Matinee gestern im Konzerthaus erklang, hätte trotzdem jeder im Saal mitpfeifen können: Sie ist eine Klavierparaphrase über die „Fledermaus“ von Strauß. Und mit dem Bravour-Werk – bravourös als Zugabe gespielt – zeigte die Pianistin Janka Simowitsch, dass sie auch eine veritable Virtuosin ist.

Vorher hatte das Publikum die Stipendiatin der Gesellschaft in Mozarts berühmtestem Klavierkonzert KV 488 (mit dem langsamen Satz aus dem Mozarts-Fernseh-Mehrteiler) als Poetin kennen gelernt. Die 27-jährige Rostockerin singt am Klavier, spielte das Konzert im Legatissimo mit seelenweichen Phrasierungen. Da gab es Momente im langsamen Satz, wo man fast lieber nur sie allein am Klavier gehört hätte – obwohl das Georgische Kammerorchester mit nur 22 Musikern sehr behutsam begleitete.

Am Pult stand Lavard Skou-Larsen, als Professor am Mozarteum Salzburg und Schüler von Sandor Vegh ein Mozart-Spezialist. Das hörte man schon in der Ouvertüre zu Mozarts Oper „Die Gärtnerin aus Liebe“. Mit dem nachkomponierten Finalsatz spielte das Exil-Orchester aus Ingolstadt das Werk – spritzig wie ein Hochleistungsmotor.

Bach als Entdeckung

Auch die Sinfonie von Johann Christoph Friedrich Bach, dem dritten der vier komponierenden Söhne von Johann Sebastian, war eine Entdeckung. Dynamisch differenziert gab Skou-Larsen den dreizügig, in nur elf Minuten vorbeirauschenden Sätzen viel Gehalt. Man hörte, wie Mozart-verwandt der Bach-Sohn komponiert hat, aber auch, wie groß der Qualitätsunterschied zwischen Mozarts Musik und der von vielen seiner Zeitgenossen ist.

Auch Schuberts fünfte Sinfonie ist noch ein Werk im Mozart-Ton. Den Liedkomponisten ließen die Ingolstädter mit einem sanglichen Spiel hervorlugen, aber den Schubert-Ton vermisste man vor allem im langsamen, sehr flott gespielten Satz. 

von JG

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